NUM-SAR: Schnelle Handlungsfähigkeit der Universitätsmedizin im Pandemiefall
Entscheidend für wirksames und koordiniertes Handeln in einer Pandemie ist eine wissenschaftlich fundierte Vorbereitung. Sie erlaubt es, bereits in der ersten kritischen Phase aktiv zu werden. Die Ausbreitung eines Erregers muss zügig eingedämmt, das Risiko für die Bevölkerung bewertet und das Gesundheitssystem mit Blick auf Versorgungskapazitäten und bevorstehende Belastungen angepasst werden. Um bestmöglich aufgestellt zu sein, startet jetzt unter Leitung der Charité – Universitätsmedizin Berlin sowie der Universitätskliniken Köln, Göttingen und Bonn der Aufbau einer Plattform für Surveillance and Rapid Response (NUM-SAR) im Netzwerk Universitätsmedizin (NUM), gefördert durch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt.
Die zurückliegende Pandemie hat gezeigt, dass zügiges und koordiniertes Handeln in einer Ausnahmesituation entscheidend ist. Um die COVID-19-Forschung der deutschen Universitätsmedizin zu koordinieren, ist 2020 das NUM ins Leben gerufen worden. Das Projekt NUM-SAR wird in den kommenden fünf Jahren weitere Strukturen schaffen, die ein schnelles Reagieren möglich machen – darunter ein spezialisiertes Labornetzwerk und evidenzbasierte Handlungsgrundlagen für Pandemielagen.
Zuständig für die unmittelbare Reaktion auf eine pandemische Lage ist zunächst das Öffentliche Gesundheitswesen. Erste belastbare Daten und Expertise stammen meist aus der medizinischen Spitzenversorgung, die über verschiedene universitäre Standorte verteilt ist. Eine umfassende Vorbereitung der Universitätsmedizin im Vorfeld erhöht die Handlungsfähigkeit des Gesundheitssystems maßgeblich. Eingeübte Abläufe, schnelles Bereitstellen von Diagnostik, Monitoring und tragfähige Datenstrukturen spielen dabei eine wesentliche Rolle. Mit NUM-SAR wird nun eine umfassende Forschungs- und Dateninfrastruktur in enger Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Virologie (GfV) und dem Robert Koch-Institut (RKI) entstehen.
Ein bundesweites Netzwerk aus 23 spezialisierten, universitären Laboren und klinischer Fachexpertise der Virologie wird in diesem Zuge aufgebaut. Die Plattform soll die Erforschung und Diagnostik unterschiedlicher Virusgruppen stärken und sicherstellen, dass neue Erreger frühzeitig erkannt werden. „Mit dieser breit aufgestellten Kompetenz können wir im Pandemiefall sofort reagieren, Tests entwickeln und die Forschung unterstützen“, sagt Prof. Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie der Charité.
Wissenschaftsgeleitetes Pandemiemanagement
Die Forschenden werden in den kommenden Jahren evidenzbasierte Handlungsgrundlagen erarbeiten, die auf bereits verfügbaren, interdisziplinären Forschungsergebnissen beruhen. „In verschiedenen Arbeitsgruppen können Expert:innen methodisches und klinisch-fachliches Wissen zu unterschiedlichen Fragestellungen im Bedarfsfall sehr schnell erschließen und auf diese Weise das wissenschaftsgeleitete Pandemiemanagement stärken“, erklärt Prof. Nicole Skoetz, Direktorin des Instituts für Öffentliches Gesundheitswesen der Universität zu Köln.
Weiterer Schwerpunkt ist ein umfassendes Konzept für Monitoring und Surveillance der Belastung des Gesundheitssystems. Es wird infektionsmedizinische Parameter ebenso erfassen wie Indikatoren aus den Bereichen Hygiene und Krankenhaushygiene, Versorgungsqualität, Patient:innensicherheit, Mitarbeiter:innengesundheit und -belastung sowie stationäre Versorgung. Gemeinsam mit dem Robert Koch-Institut entwickeln Forschende der Universitätsmedizin zudem die moderne, integrierte Plattform für genomische Erreger-Surveillance (GenSurv) weiter. Sie erlaubt eine schnellere und verlässlichere epidemiologische Bewertung von bakteriellen und viralen Erregern. Die Direktorin des Instituts für Hygiene und Infektiologie der Universitätsmedizin Göttingen, Prof. Simone Scheithauer, betont: „Die Daten werden dem Robert Koch-Institut und dem Öffentlichen Gesundheitswesen zur Bewertung der gesundheitlichen Lage zur Verfügung gestellt. Durch die Arbeiten in NUM-SAR greifen Infektionsprävention und -kontrolle wie Zahnräder ineinander.“
Nicht zuletzt koordiniert das Universitätsklinikum Bonn eine Weiterentwicklung des NUM-Dashboards, das einen Zugang zu pandemierelevanten, echtzeitnahen Analysen von Versorgungsdaten direkt aus den Krankenhausinformationssystemen der Partnerstandorte ermöglicht. Technische Grundlage hierfür wird die verteilte IT-Infrastruktur der Datenintegrationszentren (DIZ) im NUM sein. „Das NUM-Dashboard ermöglicht es, ein breiteres, schnelleres und präziseres Bild der Versorgungssituation zu gewinnen“, erläutert Prof. Sven Zenker, Ärztlicher Leiter der Stabsstelle Medizinisch-Wissenschaftliche Technologieentwicklung und -koordination des Universitätsklinikums Bonn.
NUM-SAR ergänzt die Forschungsinfrastrukturen im NUM um methodische Expertise, Evidenzaufbereitung und Forschungsdaten im Bereich Pandemic Preparedness. Es ermöglicht einen schnellen Zugang zu verlässlichen Gesundheitsdaten, leistungsfähigen Laboren und interdisziplinären Netzwerken und sorgt damit für Handlungsfähigkeit im Pandemiefall.
Netzwerk Universitätsmedizin (NUM)
Im NUM führen erstmalig alle 37 deutschen Standorte der Universitätsmedizin gemeinsam große interdisziplinäre klinische Forschungsprojekte durch. Gestartet, um die COVID-19-Forschung der deutschen Universitätsmedizin zu koordinieren, liegt der Schwerpunkt heute auf der gemeinsamen Erhebung und Nutzung komplexer medizinischer Forschungsdaten im klinischen Kontext. Dafür hat das Netzwerk spezialisierte Forschungsinfrastrukturen aufgebaut. Gefördert wird das NUM durch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt.
Weitere Informationen
Netzwerk Universitätsmedizin (NUM)
https://www.netzwerk-universitaetsmedizin.de/
Plattform NUM-SAR im NUM
https://www.netzwerk-universitaetsmedizin.de/plattformen/num-sar






