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Neuer Therapieansatz bei Anastomoseninsuffizienz nach Darm-OP

Ein internationales Forschungsteam aus Bonn und Amsterdam identifiziert Tryptophan-Stoffwechsel als Schlüsselfaktor für erfolgreiche Wundheilung

Eine Darmanastomoseninsuffizienz – das unvollständige Zusammenwachsen von Darmnähten nach kolorektalen Eingriffen – betrifft bis zu 30 Prozent der Operierten und kann zu schweren Komplikationen bis hin zu einer Sepsis führen. Unter Federführung des Universitätsklinikums Bonn (UKB) und dem Amsterdam UMC zeigte ein internationales Forschungsteam nun erstmals den entscheidenden Mechanismus für eine erfolgreiche Verbindung zweier Darmabschnitte, fachsprachlich Darmanastomose. Die Ergebnisse der Studie sind kürzlich in der Fachzeitschrift „Cellular and Molecular Gastroenterology and Hepatology“ veröffentlicht worden.

Nach einer Darmanastomose, ein Eingriff bei der zwei Enden eines Darms wieder verbunden werden, kann aufgrund einer undichten Operationsnaht auch Darminhalt in die Bauchhöhle übertreten. Diese postoperative Komplikation birgt die Gefahr einer lebensgefährlichen Bauchfellentzündung und im schlimmsten Fall einer Sepsis. Ein internationales Forschungsteam um Sven Wehner vom UKB und Wouter de Jonge von der Amsterdam UMC zeigte nun erstmals, dass mikrobielle Metabolite der essentiellen Aminosäure Tryptophan über den Aryl-Hydrocarbon-Rezeptor (AhR) die Produktion eines hochwirksamen zellulären Entzündungsmediators, dem Interleukin-22 (IL-22), aktivieren. Als ein zellulärer Sensor, der auf bestimmte Moleküle reagiert und die Genaktivität ändert, spielt der AhR eine Schlüsselrolle in dem für eine erfolgreiche Darmanastomosenheilung entscheidenden Mechanismus.

Die Ergebnisse dieser Studie basieren auf Beobachtungen aus der REVEAL-Studie. Dabei fanden die Forschenden im Stuhl von männlichen Patienten, die eine postoperative Anastomoseninsuffizienz aufwiesen, kurz vor der Operation signifikant niedrigere Werte von Indol-3-Essigsäure – einem natürlichen AhR-Agonisten, der diesen Botenstoff aktiviert. Weitere präklinische Studien bestätigten die Rolle des AhR, da ein genetischbedingter Mangel dieses Rezeptors mit deutlich erhöhten Leckage-Raten einherging. Die Blockierung von IL-22 verschlechterte die Heilung dramatisch, während die Gabe von biotechnologisch hergestellten IL-22 die Komplikationsrate senkte. Ebenso fand das Forschungsteam heraus, dass verminderte Tryptophanmengen in der Nahrung mit einer Verringerung des AhR Agonisten Indol-3-Essigsäure einhergingen und ebenfalls eine erhöhte Anastomosenleckage-Rate bewirkten. Eine ergänzende Aufnahme eines künstlichen AhR-Agonisten konnte die Heilungsstörung vollständig verhindern.

Klinische Perspektive

„Die Ergebnisse eröffnen neue präventive Strategien: Eine Tryptophan-Supplementierung vor, während und nach der Operation, gezielte Ernährungsanpassungen oder die therapeutische Gabe von IL-22Fc könnten das Risiko für eine Anastomoseninsuffizienz deutlich senken. Besonders Risiko-Operierte mit niedrigen präoperativen Indol-Metaboliten im Stuhl könnten von einem personalisierten Ansatz profitieren“, sagt Prof. Dr. Sven Wehner von der Klinik für Allgemein-, Viszeral-, Gefäß- und Transplantationschirurgie.

Hier geht es zur Publikation: https://www.cmghjournal.org/article/S2352-345X(26)00034-2/fulltext

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