Behandschuhte Hand mit Tablette
VERFASST VONUKB NewsRoom

HIV-Therapie: Nur eine Tablette pro Woche

Internationale Studie: Einmal wöchentlich einzunehmende HIV-Tablette ist genauso wirksam wie eine tägliche Einnahme

Bonn, 30. Juli 2026 – Eine internationale klinische Studie, an der das Universitätsklinikum Bonn (UKB) und die Universität Bonn maßgeblich beteiligt waren, hat gezeigt, dass eine einmal wöchentlich einzunehmende orale HIV-Behandlung genauso wirksam ist wie eine der derzeit führenden täglichen Therapien. Damit eröffnet sich das Potenzial für eine neue Behandlungsoption, die die Belastung durch die lebenslange tägliche Einnahme von Tabletten verringern könnte. Die Ergebnisse, die jetzt im New England Journal of Medicine veröffentlicht und auf der Internationalen AIDS-Konferenz in Rio de Janeiro vorgestellt wurden, stammen aus der Phase-3-Studie ISLEND-1, in der eine einmal wöchentlich einzunehmende Tablette mit einer Kombination aus Islatravir und Lenacapavir bei Erwachsenen untersucht wurde, deren HIV-Infektion bereits gut unter Kontrolle war.

An der internationalen Studie nahmen 607 Erwachsene an 106 klinischen Standorten in 12 Ländern teil. Teilnehmende, die unter der täglichen Standardtherapie eine Virusunterdrückung aufrechterhalten hatten, wurden nach dem Zufallsprinzip entweder der Gruppe zugewiesen, die auf die einmal wöchentlich einzunehmende Tablette umstellte, oder der Gruppe, die ihre bestehende tägliche Medikation beibehielt.

Nach 48 Wochen erwies sich die einmal wöchentliche Therapie als der Standardbehandlung mit einmal täglicher Einnahme nicht unterlegen. Mehr als 93 Prozent der Teilnehmenden in beiden Gruppen behielten die Virusunterdrückung bei, während bei keinem der Teilnehmenden, die die wöchentliche Behandlung erhielten, während der Studie ein virologisches Versagen auftrat.

Die Studie befasst sich mit einer der anhaltenden Herausforderungen in der HIV-Versorgung. Obwohl moderne Medikamente HIV zu einer behandelbaren Langzeiterkrankung gemacht haben, kann die tägliche Einnahme von Medikamenten bei manchen Menschen nach wie vor zu Stigmatisierung und Behandlungsmüdigkeit beitragen. Eine einmal wöchentlich einzunehmende orale Therapie könnte mehr Flexibilität bieten und gleichzeitig die Notwendigkeit von injizierbaren Therapien vermeiden.

Prof. Chloe Orkin von der Queen Mary University of London und Korrespondenzautorin der Studie, sagte: „Die erste wöchentliche orale Therapie zur Behandlung von HIV überhaupt könnte Menschen, die mit HIV leben, eine willkommene Erleichterung von der Belastung durch die lebenslange tägliche Einnahme von Tabletten bieten.“ Erstautor Prof. Jürgen K. Rockstroh von der Medizinischen Klinik I am UKB, der auch der Universität Bonn forscht, ergänzt: „Therapievereinfachungen wie diese einmal wöchentliche Therapie können einen wichtigen Beitrag leisten Menschen mit HIV bei der Therapietreue zu helfen und der Tablettenmüdigkeit einer lebenslangen Therapie entgegen zu wirken.“

Die wöchentliche Tablette kombiniert zwei langwirksame antiretrovirale Medikamente – Islatravir und Lenacapavir – mit sich ergänzenden Wirkmechanismen, die eine wirksame einmal wöchentliche Dosierung ermöglichen. Die Forschenden glauben, dass die einmal wöchentlich einzunehmende Tablette eine wichtige zusätzliche Behandlungsoption für Menschen mit HIV darstellen könnte.

Die Studie läuft noch weiter, und die Teilnehmenden werden insgesamt 96 Wochen lang weiter beobachtet, um die langfristige Sicherheit und Wirksamkeit zu bewerten.

Hinweise für die Redaktion
Die ISLEND-1-Studie wurde von Gilead Sciences und Merck Sharp & Dohme LLC (MSD) finanziert. Die Ergebnisse wurden auf der Internationalen AIDS-Konferenz in Rio de Janeiro vom Erstautor Prof. Rockstroh vorgestellt und gleichzeitig im New England Journal of Medicine veröffentlicht.

Publikation: Jürgen K. Rockstroh et al.: Phase 3 Trial of Weekly Oral Islatravir-Lenacapavir for HIV-1 Treatment; New England Journal of Medicine; DOI: 10.1056/NEJMoa2607973

Wissenschaftlicher Kontakt:
Prof. Dr. med. Jürgen K. Rockstroh
Oberarzt an der Medizinische Klinik I
Universitätsklinikum Bonn
Telefon.: +49 228 287 16558
E-Mail: juergen.rockstroh@ukbonn.de

Bildmaterial:

Behandschuhte Hand mit Tablette

Bildunterschrift: Symbolfoto

Bildnachweis: Universitätsklinikum Bonn (UKB) / Rolf Müller

Pressekontakt:
Dr. Inka Väth
stellv. Pressesprecherin am Universitätsklinikum Bonn (UKB)
Stabsstelle Kommunikation und Medien am Universitätsklinikum Bonn
Telefon: (+49) 228 287-10596; E-Mail: inka.vaeth@ukbonn.de

Zum Universitätsklinikum Bonn: Als eines der leistungsstärksten Universitätsklinika Deutschlands verbindet das UKB Höchstleistungen in Medizin und Forschung mit exzellenter Lehre. Jährlich werden am UKB über eine halbe Million Patienten ambulant und stationär versorgt. Hier studieren rund 3.500 Menschen Medizin und Zahnmedizin, zudem werden jährlich über 600 Personen in Gesundheitsberufen ausgebildet. Mit rund 9.900 Beschäftigten ist das UKB der drittgrößte Arbeitgeber in der Region Bonn/Rhein-Sieg. In der Focus-Klinikliste belegt das UKB Platz 1 unter den Universitätsklinika in NRW und weist unter den Universitätsklinika bundesweit den zweithöchsten Case-Mix-Index (Fallschweregrad) auf. 2025 konnte das UKB knapp 100 Mio. € an Drittmitteln für Forschung, Transfer und Lehre einwerben. Das F.A.Z.-Institut zeichnete das UKB im vierten Jahr in Folge als „Deutschlands Ausbildungs-Champion“ und „Deutschlands begehrtesten Arbeitgeber“ aus. Aktuelle Zahlen finden Sie im Geschäftsbericht unter: geschaeftsbericht.ukbonn.de.

Zum Inhalt springen