80 Jahre alt und Krebs: Ist das Alter entscheidend für die richtige Therapie?
Prof. Andreas H. Jacobs stärkt Altersmedizin und Onkogeriatrie am Universitätsklinikum Bonn
Bonn, 16. September 2026 – Wie belastbar ein älterer Mensch ist, lässt sich nicht allein am Geburtsdatum ablesen. Mit Prof. Andreas H. Jacobs gewinnt das Centrum für Integrierte Onkologie Bonn (CIO Bonn) am Universitätsklinikum Bonn (UKB) einen international erfahrenen Wissenschaftler und Kliniker. Sein Schwerpunkt: die Weiterentwicklung der Altersmedizin und insbesondere der Onkogeriatrie. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie sich Gebrechlichkeit – medizinisch Frailty – besser erfassen und bei der Planung moderner Therapien berücksichtigen lässt.
Zwei Menschen sind 80 Jahre alt. Beide haben dieselbe Krebserkrankung. Der eine fährt noch Fahrrad, lebt selbstständig und ist geistig fit. Der andere ist nach mehreren Stürzen auf Unterstützung angewiesen und hat deutlich an Kraft verloren. Wer von beiden verträgt dieselbe Therapie besser? Das Geburtsdatum gibt darauf keine ausreichende Antwort.
„Zwei Menschen können gleich alt sein und dennoch völlig unterschiedliche Voraussetzungen für eine Therapie mitbringen“, erklärt Prof. Andreas Jacobs. „Deshalb darf das kalendarische Alter nicht die alleinige Grundlage für eine Therapieentscheidung sein. Entscheidend ist auch, wie belastbar und selbstständig ein Mensch tatsächlich ist.“
Frailty: Mehr als eine Zahl im Personalausweis
Genau hier setzt die Onkogeriatrie an. Sie verbindet moderne Krebsmedizin mit einer umfassenden Betrachtung der gesundheitlichen und funktionellen Situation älterer Menschen. Eine zentrale Rolle spielt dabei die sogenannte Frailty – eine erhöhte Vulnerabilität, die sich beispielsweise in eingeschränkter Mobilität, nachlassender Muskelkraft, kognitiven Veränderungen oder zunehmender Abhängigkeit im Alltag zeigen kann.
„Wir müssen uns bei älteren Patientinnen und Patienten nicht nur fragen, welche Therapie medizinisch möglich ist. Wir müssen auch fragen, welchen Nutzen sie für den einzelnen Menschen hat und welche Belastungen damit verbunden sind“, sagt Prof. Jacobs.
Internationale Forschungserfahrung – zurück nach Bonn
Für seine neue Tätigkeit bringt Prof. Jacobs langjährige Erfahrung aus klinischer Medizin und translationaler Forschung mit. Nach dem Beginn seiner medizinischen Ausbildung in Bonn führten ihn seine wissenschaftlichen Stationen unter anderem nach Köln, an die Harvard Medical School in Boston und das Memorial Sloan Kettering Cancer Center in New York sowie an die Universitäten Köln und Münster.
Seine wissenschaftliche Laufbahn war zunächst stark durch die molekulare Bildgebung geprägt. Vor mehr als 25 Jahren war er an der Entwicklung dieses Forschungsfeldes beteiligt und arbeitete später unter anderem an bildgesteuerten Therapien bei neurodegenerativen und neuroonkologischen Erkrankungen.
Heute richtet sich sein Blick zunehmend auf die biologischen Grundlagen des Alterns und deren Verbindung zu altersassoziierten Erkrankungen und Krebs. Bereits seit 2012 leitet Prof. Jacobs die Altersmedizin/Geriatrie an den Johanniter-Kliniken Bonn (JKB) und hat dort neuro- und onkogeriatrische Themen weiterentwickelt.
„Alterungsprozesse und Krebs sind auf molekularer Ebene eng miteinander verbunden. Wir wollen besser verstehen, was beim Altern im Körper geschieht und wie dieses Wissen für die Medizin nutzbar werden kann“, erläutert Prof. Jacobs.
Ganzheitlicher Ansatz
Alter betrifft mehr als einzelne Organe. Ob ein Mensch mobil, geistig fit und selbstständig bleibt, prägt auch, wie gut er Erkrankungen und Therapien verkraftet. Deshalb verbindet Prof. Jacobs Altersmedizin und Neurogeriatrie und nimmt den Menschen in seiner gesamten Lebenssituation in den Blick.
In Bonn möchte er Forschung und Versorgung noch enger miteinander verknüpfen. Dabei setzt er auf die in der Altersmedizin so wichtigen, engen Zusammenarbeit verschiedener Berufsgruppen – von Medizin und aktivierend-therapeutischen Pflege über Physio- und Ergotherapie sowie Logopädie bis zu Neuropsychologie und Sozialdienst.
„Moderne Altersmedizin ist Teamarbeit“, betont Prof. Jacobs. „Genau diese Verbindung unterschiedlicher Perspektiven macht die Geriatrie so spannend.“
Eine zentrale Zukunftsfrage der Medizin
Mit der Stärkung der Onkogeriatrie setzt das UKB auf ein Thema, das angesichts des demografischen Wandels zunehmend an Bedeutung gewinnt: eine Krebsmedizin, die nicht nur den Tumor betrachtet, sondern den Menschen in seiner individuellen Lebenssituation. Prof. Jacobs bringt es auf den Punkt: „Die entscheidende Frage ist nicht: Wie alt ist dieser Mensch? Sondern: Was können wir für diesen Menschen sinnvoll erreichen?“
Bildmaterial:
Bildunterschrift: „Alterungsprozesse und Krebs sind auf molekularer Ebene eng miteinander verbunden. Wir wollen besser verstehen, was beim Altern im Körper geschieht und wie dieses Wissen für die Medizin nutzbar werden kann“, erläutert Prof. Andreas Jacobs.
Bildnachweis: Johanniter-Krankenhaus Bonn
Pressekontakt:
Daria Siverina
Stellvertretende Pressesprecherin am Universitätsklinikum Bonn (UKB)
Stabsstelle Public Relations and Corporate Communication
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E-Mail: daria.siverina@ukbonn.de
Das Centrum für Integrierte Onkologie (CIO Bonn) ist das interdisziplinäre Krebszentrum des Universitätsklinikums Bonn und des Johanniter- Krankenhauses Bonn. Unter seinem Dach arbeiten alle Kliniken und Institute des UKB zusammen, die sich mit der Diagnose, Behandlung und Erforschung aller onkologischen Erkrankungen befassen. Das CIO Bonn gehört zum bundesweiten Netzwerk ausgewählter Onkologischer Spitzenzentren der Deutschen Krebshilfe. Gemeinsam gestaltet dieser Verbund „Centrum für Integrierte Onkologie – CIO Aachen Bonn Köln Düsseldorf“ die Krebsmedizin für rund 11 Millionen Menschen.
Zum Universitätsklinikum Bonn: Als eines der leistungsstärksten Universitätsklinika Deutschlands verbindet das UKB Höchstleistungen in Medizin und Forschung mit exzellenter Lehre. Jährlich werden am UKB über eine halbe Million Patienten ambulant und stationär versorgt. Hier studieren rund 3.500 Menschen Medizin und Zahnmedizin, zudem werden jährlich über 600 Personen in Gesundheitsberufen ausgebildet. Mit rund 9.900 Beschäftigten ist das UKB der drittgrößte Arbeitgeber in der Region Bonn/Rhein-Sieg. In der Focus-Klinikliste belegt das UKB Platz 1 unter den Universitätsklinika in NRW und weist unter den Universitätsklinika bundesweit den zweithöchsten Case-Mix-Index (Fallschweregrad) auf. 2025 konnte das UKB knapp 100 Mio. € an Drittmitteln für Forschung, Transfer und Lehre einwerben. Das F.A.Z.-Institut zeichnete das UKB im vierten Jahr in Folge als „Deutschlands Ausbildungs-Champion“ und „Deutschlands begehrtesten Arbeitgeber“ aus. Aktuelle Zahlen finden Sie im Geschäftsbericht unter: geschaeftsbericht.ukbonn.de







