Europa-Premiere in Bonn und Linz: Neues Augenimplantat als Medikamententräger eingesetzt
Wirkstoffabgabe über Monate statt häufiger Spritzen
Bonn, 5. Oktober 2026 – Am Universitätsklinikum Bonn (UKB) ist heute erstmals das neue Augenimplantat Contivue in der regulären Patientenversorgung eingesetzt worden. Zeitgleich erfolgte auch am Kepler Universitätsklinikum Linz die erste Anwendung. Am UKB erhielten zwei Patienten mit neovaskulärer altersabhängiger Makuladegeneration (nAMD) das etwa reiskorngroße Implantat. Damit kommt das System am UKB deutschlandweit erstmals außerhalb einer klinischen Studie in der regulären Versorgung zum Einsatz.
Bei der nAMD wird der Bereich der Netzhaut geschädigt, mit dem wir besonders scharf sehen. Bei der sogenannten feuchten Form können krankhafte Blutgefäße entstehen und Flüssigkeit in die Netzhaut austreten. Um die Erkrankung zu kontrollieren, müssen Betroffene bislang meist regelmäßig Medikamente über viele Jahre direkt in das Auge spritzen lassen.
„Für viele Patientinnen und Patienten sind die häufigen Behandlungstermine eine Belastung – insbesondere, wenn sie älter oder in ihrer Mobilität eingeschränkt sind“, sagt Prof. Frank G. Holz, Direktor der Augenklinik am UKB. „Das neue Implantat ermöglicht es, den Wirkstoff über längere Zeit kontinuierlich abzugeben und damit die Abstände zwischen den Behandlungen deutlich zu verlängern und auch Fluktuationen in der Wirkstoffkonzentration zu minimieren.“
Weniger Behandlungstermine durch kontinuierliche Wirkstoffabgabe
Das Implantat wird in einem etwa 45-minütigen Eingriff in das Auge eingesetzt. Es gibt den Wirkstoff Ranibizumab kontinuierlich an das Auge ab. Etwa alle sechs bis neun Monate wird es ambulant nachgefüllt.
Für die Behandlung kommen nach der europäischen Zulassung erwachsene Patient mit nAMD infrage, deren Erkrankung zuvor auf eine Behandlung mit einem VEGF-Hemmer angesprochen und stabilisiert wurde.
Erfahrungen aus den Studien am UKB
In der Zulassungsstudie ARCHWAY zeigte sich über zwei Jahre eine vergleichbare Entwicklung von Sehschärfe und zentraler Netzhautdicke wie bei monatlichen Ranibizumab-Injektionen. Längerfristige Daten zeigen, dass die Behandlung mit etwa zwei Auffüllungen pro Jahr über mehrere Jahre fortgeführt werden kann. Auch unter Versorgungsbedingungen verringerte sich die Zahl der Behandlungen: In der Studie BELVEDERE sank sie bei zuvor mit IVOM behandelten Patient von durchschnittlich 9,2 auf 2,0 Behandlungen pro Jahr.
Das UKB war bereits seit 2024 an klinischen Studien beteiligt, in denen Patient*innen mit dem Implantat behandelt wurden. „Die Rückmeldungen der Patientinnen und Patienten waren sehr positiv“, berichtet PD Dr. Kristina Pfau, Oberärztin und Leiterin des klinischen Studienzentrums der Augenklinik am UKB. „Umso erfreulicher ist es, dass wir diese Behandlung nun regulär anbieten können“.
Perspektive für die Forschung
Für das UKB ist das Implantat auch mit Blick auf mögliche zukünftige Anwendungen interessant. „Das Prinzip, einen Wirkstoff über ein Implantat kontinuierlich abzugeben, könnte perspektivisch auch für andere Medikamente untersucht werden“, sagt Prof. Holz. „Ob und für welche Erkrankungen sich das eignet, muss in weiteren Studien geprüft werden.“
Hintergrund
Contivue ist ein dauerhaft im Auge verbleibendes, nachfüllbares Implantat. Es gibt den Wirkstoff Ranibizumab kontinuierlich in den Glaskörper ab. Susvimo (Ranibizumab 100 mg/ml) wurde im September 2026 von der Europäischen Kommission zur Anwendung mit Contivue bei bestimmten Erwachsenen mit neovaskulärer altersabhängiger Makuladegeneration zugelassen.
Bildmaterial
Bildunterschrift: Das neue Augenimplantat Contivue für die Behandlung neovaskulärer altersabhängiger Makuladegeneration wurde heute erstmals in Deutschland an der Augenklinik des Universitätsklinikums Bonn eigesetzt.
Bildunterschrift: Nicht größer als ein Reiskorn: Das neue Implantat ermöglicht es, den Wirkstoff über längere Zeit kontinuierlich abzugeben und damit die Abstände zwischen den Behandlungen deutlich zu verlängern.
Bildnachweis: Universitätsklinikum Bonn (UKB) / A. Mismas
Pressekontakt:
Daria Siverina
Stellvertretende Pressesprecherin am Universitätsklinikum Bonn (UKB)
Stabsstelle Public Relations and Corporate Communication
Telefon: (+49) 228 287-14416
E-Mail: daria.siverina@ukbonn.de
Zum Universitätsklinikum Bonn: Zum Universitätsklinikum Bonn: Als eines der leistungsstärksten Universitätsklinika Deutschlands verbindet das UKB Höchstleistungen in Medizin und Forschung mit exzellenter Lehre. Jährlich werden am UKB über eine halbe Million Patienten ambulant und stationär versorgt. Hier studieren rund 3.500 Menschen Medizin und Zahnmedizin, zudem werden jährlich über 600 Personen in Gesundheitsberufen ausgebildet. Mit rund 10.600 Beschäftigten ist das UKB der drittgrößte Arbeitgeber in der Region Bonn/Rhein-Sieg. In der Focus-Klinikliste belegt das UKB Platz 1 unter den Universitätsklinika in NRW und weist im ersten Halbjahr 2026 unter den Universitätsklinika bundesweit den höchsten Case-Mix-Index (Fallschweregrad) auf. 2025 konnte das UKB knapp 100 Mio. € an Drittmitteln für Forschung, Transfer und Lehre einwerben. Das F.A.Z.-Institut zeichnete das UKB das fünfte Jahr in Folge als „Deutschlands Ausbildungs-Champion“ und „Deutschlands begehrtesten Arbeitgeber“ aus. Aktuelle Zahlen finden Sie im Geschäftsbericht unter: geschaeftsbericht.ukbonn.de








