Prof. Andreas Müller, Dr. Till Dresbach, Dr. Thorsten Sendmit dem Befund einer Video-Bronchoskopie nach Aspiration (unabsichtliche Einatmung) eines vier Millimeter großen Nussstücks durch ein Kleinkind
VERFASST VONukbnewsroom

Erstickungsgefahr bei Kleinkindern durch Nüsse und Spielzeugteile

Ärzte des Universitätsklinikum Bonn warnen

Bonn, 13. Dezember 2021 – Leider kommt es immer wieder zu tödlichen Kinderunfällen durch Ersticken, obwohl dies meist vermeidbar wäre. Vor allem einige Lebensmittel sind für Kinder unter vier Jahren lebensgefährlich. Das Universitätsklinikum Bonn (UKB) warnt vor Gefahren und informiert Eltern darüber, was im Notfall zu tun ist.

Zeit mit der Familie und die gemütlichen Weihnachtsfeiertage stehen bevor, doch immer wieder passieren auch zu Hause lebensbedrohliche Unfälle. Vielen Eltern ist die Gefahr, die von manchen Lebensmitteln ausgeht, nicht bewusst. Gerade in den ersten Lebensjahren besteht durch das noch nicht ausgebildete Gebiss des Kindes und den unkoordinierten Schluckakt die Gefahr, dass kleine Gegenstände oder Lebensmittel die Atemwege verstopfen. „Geraten Fremdkörper – wie z.B. ein Stück Nuss – vor die Stimmritze oder sogar in die Lunge, besteht ein akuter Notfall und Eltern müssen schnell handeln“, sagt Dr. Send, Oberarzt der Hals-Nasen-Ohren-Klinik des UKB.

Aufwendige Entfernung von Fremdkörpern

Immer wieder und gerade in der Weihnachtszeit müssen Fremdkörper aus der Lunge von Kleinkindern geborgen werden. Der Eingriff ist sehr aufwendig, da der Fremdkörper in Vollnarkose mit einer Kamera gesucht und mit einer Zange entfernt werden muss. „Leider gehen Erstickungsunfälle nicht immer gut aus, obwohl sie vermeidbar wären. Wir empfehlen Eltern, dass Kinder unter vier Jahren auf Nüsse verzichten sollten. Wichtig ist das Wissen der Eltern über Sofortmaßnahmen bei akuter Atemnot. Um die Eltern aufzuklären, haben wir für den Notfall ein Plakat mit Erste-Hilfe-Maßnahmen erstellt. Dieses sollte in keinem Haushalt mit Kleinkindern fehlen“, so Dr. Till Dresbach, Leitender Oberarzt der Kinderintensivmedizin am UKB.

Versteckte Gefahr bei Lebensmitteln

Problematisch ist, dass die Gefahr von Lebensmitteln für Kleinkinder vielen Eltern nicht bewusst ist. Bei Spielzeugen mit Kleinteilen werden oft Warnhinweise mitgegeben, bei Nahrungsmitteln findet man diese aber kaum. Weintrauben z.B. sind beliebt bei Kleinkindern, bergen aber aufgrund ihrer Größe und ihrer glatten Oberfläche ein hohes Risiko, die Atemwege zu verstopfen und dadurch akute Atemnot auszulösen. Deshalb sollten Kleinkindern Trauben immer nur geviertelt serviert werden. Auch Nüsse, v.a. Erdnüsse, und Ölsaaten wie Sonnenblumenkerne können für Kleinkinder unter vier Jahren eine lebensbedrohliche Gefahr darstellen.

Warnung vor Nüssen bei Kleinkindern: https://youtu.be/Mo3VusMvci8

Kinder-Notfallkurs für Eltern am 16. Dezember 2021

„Kleinkinder sollten generell nur unter Aufsicht, im Sitzen und in Ruhe essen und bestimmte Lebensmittel meiden. Falls es zu akuter Atemnot kommen sollte, ist es wichtig, schnell und richtig zu handeln“, sagt Prof. Andreas Müller, Direktor der Kinderintensivmedizin am UKB. Die Abteilung für Neonatologie und Kinderintensivmedizin des UKB informiert deswegen am 16. Dezember 2021 ab 17 Uhr alle interessierten Eltern über richtiges Verhalten bei Kinder-Notfällen und macht Familien fit für die Feiertage. Die Teilnehmergebühr von 20 Euro wird zu 100 Prozent zum Ausbau des neuen Elternzimmers auf unserer Frühgeborenen-Intensivstation verwendet.

Genauere Informationen zur Veranstaltung finden Sie unter: Kindernotfall Weihnachts-Spezial 2021 (kindernotfall-bonn.de)
Anmelden kann man sich hier: weihnachten@kindernotfall-bonn.de

Weitere Informationen des UKB zu Kindernotfällen finden Sie unter: www.kindernotfall-bonn.de
Das Plakat mit den Notfallmaßnahmen gibt es unter: www.kindernotfall-bonn.de/elterninfo/kindernotfall-poster-2/

Bild oben: (v. l.) Prof. Andreas Müller, Direktor der Neonatologie/Kinderintensivmedizin am UKB, Dr. Till Dresbach, Leitender Oberarzt Neonatologie/Kinderintensivmedizin, und Dr. Thorsten Send, Oberarzt Hals-Nasen-Ohren-Klinik am UKB mit dem Befund einer Video-Bronchoskopie nach Aspiration (unabsichtliche Einatmung) eines vier Millimeter großen Nussstücks durch ein Kleinkind

Bildnachweis: Universitätsklinikum Bonn (UKB)/J.F. Saba

Pressekontakt:
Viola Röser
Stellv. Pressesprecherin am Universitätsklinikum Bonn (UKB)
Tel.: 0228 287-10469
E-Mail: viola.roeser@ukbonn.de

Zum Universitätsklinikum Bonn: Im UKB werden pro Jahr über 400.000 Patient:innen betreut, es sind 8.300 Mitarbeiter:innen beschäftigt und die Bilanzsumme beträgt 1,3 Mrd. Euro. Neben den über 3.300 Medizin- und Zahnmedizin-Studierenden werden pro Jahr rund 600 junge Menschen in anderen Gesundheitsberufen ausgebildet. Das UKB steht im Wissenschafts-Ranking auf Platz 1 unter den Universitätsklinika (UK) in NRW, weist den vierthöchsten Case Mix Index (Fallschweregrad) in Deutschland auf und hatte 2020 als einziges der 35 deutschen Universitätsklinika einen Leistungszuwachs und die einzige positive Jahresbilanz aller Universitätsklinika in NRW.

Skip to content