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Hilfe für Kinder mit Hörstörungen

CI-Zentrum am UKB stellt sich anlässlich einer Auftaktveranstaltung für ein regionales Fachnetzwerk vor

Etwa eins von 1.000 Kindern kommt in Deutschland gehörlos zur Welt. Hinzukommen Kinder, die unter hochgradigen Schwerhörigkeit leiden. Doch Hörstörungen können bei ihnen die Sprachentwicklung und damit soziale Fähigkeiten beeinträchtigen. Hilfe finden Betroffene im CI-Zentrum Bonn am Universitätsklinikum Bonn (UKB). Zusätzlich zu einer detaillierten Diagnose und der Versorgung mit Hörgerät und/oder Cochlea-Implantaten (CI) gibt es dort ambulante Hör- und Sprachtrainings. Dabei arbeitet die Klinik für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde (HNO) eng mit dem Sozialpädiatrischen Zentrum (SPZ) am UKB zusammen. Am Samstag, 6. November, wird das neue Hör- und Kommunikationszentrum und aktuelle Konzept zur Hörsystemversorgung dem regionalen interdisziplinären Fachpublikum im Biomedizinischem Zentrum (BMZ) I auf dem Venusberg-Campus vorgestellt. Der „Bonner Workshop: Hörgeräte & Cochlea-Implantate“, der eine hohe Resonanz in Fachkreisen findet, soll auch der Auftakt für ein regionales Netzwerk aller beteiligten Berufsgruppen sein. Ziel ist es, regional insbesondere auch die Versorgung betroffener Kinder und Jugendlicher zu verbessern.

„In Deutschland gibt es die Tendenz, Schwerhörigkeit eher zu verdrängen und lange nicht adäquat zu versorgen“, sagt Prof. Dr. Sebastian Strieth, Direktor der HNO-Klinik am UKB. „Wir wollen darüber aufklären, dass beispielsweise eine Hörrehabilitation mit Cochlea-Implantaten eine mittlerweile gut etablierte und hervorragende Option bei fortgeschrittenen Schwerhörigkeiten in jedem Lebensalter ist.“ Bei den verschiedenen Arten von Hörstörungen ist es wesentlich, die individuell richtigen Indikationen für Hörgeräte oder Cochlea-Implantat- Versorgungen zu stellen. Die neueste Lösung ist die sogenannte elektrisch-akustische Stimulation, als Kombination von Hörgerät und CI. Für diese innovative Versorgungsform existiert nur an Zentren eine hinreichende Expertise speziell bei Kindern.

Eigenständiges Leben und berufliche Karriere dank Hörimplantat

Die Entwicklung von gehörlos geborenen Kinder ist erheblich davon abhängig, ob frühzeitig eine adäquate Hörrehabilitation stattfindet oder nicht. „Wird diesen Kindern etwa in einem Alter von einem Jahr ein Cochlea-Implantat operativ eingesetzt, entfalten sie sich in der schulischen Ausbildung genauso wie Kinder, die hörend geboren wurden“, sagt Privatdozent Dr. Klaus Eichhorn, Leiter des Cochlea-Implantat-Programms und stellv. Klinikdirektor der HNO-Klinik am UKB. „Es ist für Betroffene eine Chance, auf vollständige Eigenständigkeit und betrifft somit ihr ganzes Leben.“ Dabei wägt das ärztliche HNO-Team am UKB genau zwischen einer nicht zu frühen, aber auch nicht zu späten Cochlea-Implantation ab, da sonst Defizite nicht aufgeholt werden können. Der ideale Zeitpunkt für den Eingriff bei hochgradig schwerhörig geborenen Kindern ist im Alter von zehn Monaten, da die Diagnostik dann aufgrund der Hörnervenreifung sicher ist und in Kürze die Sprachentwicklung beginnt.

„Viel schwieriger wird es aber, wenn bei betroffenen Kindern zunächst ein Resthörvermögen genutzt werden kann und erst nach Jahren der Zeitpunkt für ein Cochlea-Implantat gekommen ist“, sagt Prof. Strieth, dem gerade für solche Kinder eine interprofessionale Zusammenarbeit der beteiligten Berufsgruppen vom HNO-Fachärzt:innen, über Hör- und Pädakustiker:innen bis hin zu Audiolog:innen, Logopäd:innen und Sonderpädagog:innen am Herzen liegt.

Bild oben: Cochlea-Implantat mit äußerlich platziertem Sprachprozessor

Bildnachweis: Universitätsklinikum Bonn (UKB)/ Rolf Müller

Pressekontakt:

Elke Pfeifer
Pressesprecherin / Leitung Stabsstelle Kommunikation und Medien am UKB
Tel.: +49 228 287-13457
E-Mail: Elke.Pfeifer@ukbonn.de

Zum Universitätsklinikum Bonn: Im UKB werden pro Jahr über 400.000 Patient:innen betreut, es sind 8.300 Mitarbeiter:innen beschäftigt und die Bilanzsumme beträgt 1,3 Mrd. Euro. Neben den über 3.300 Medizin- und Zahnmedizin-Studierenden werden pro Jahr rund 600 junge Menschen in anderen Gesundheitsberufen ausgebildet. Das UKB steht im Wissenschafts-Ranking auf Platz 1 unter den Universitätsklinika (UK) in NRW, weist den vierthöchsten Case Mix Index (Fallschweregrad) in Deutschland auf und hatte 2020 als einziges der 35 deutschen Universitätsklinika einen Leistungszuwachs und die einzige positive Jahresbilanz aller Universitätsklinika in NRW.

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