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Immunologie war und ist sein Steckenpferd

Prof. Thomas Bieber war langjähriger Direktor der Dermatologie und Allergologie am Universitätsklinikum Bonn

Bonn, 27. September – Am 29. September tritt Prof. Dr. Dr. Prof. h. c. Thomas Bieber, M.D.R.A., zum letzten Mal seinen Dienst auf dem Venusberg an. Über 26 Jahre hat der Experte für Neurodermitis die Klinik für Dermatologie und Allergologie des Universitätsklinikums Bonn (UKB) in Krankenversorgung, Lehre und Forschung geleitet und deren Ausrichtung entscheidend geprägt. Zudem legte er in seiner zweijährigen Schaffenszeit ab Oktober 2003 als Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität Bonn den Grundstein für die heutige Immunologie am UKB.

Schon früh spürte Prof. Bieber das Potential der Immunologie: „Sie ist die Grundlage für viele Erkrankungen und spielt fast überall eine Rolle.“ So war sein Konzept für die Bonner Universitäts-Hautklinik, als er deren Leitung im Mai 1997 übernahm und nur zwei kleine Forschungslabore vorfand, geprägt. Er setzte nach und nach zwei Hauptschwerpunkte: zuerst die Immunologie/Allergologie und später die Tumorimmunologie bei Hautkrebs. Neben der Krankenversorgung baute Prof. Bieber die dortige Forschung über die Jahre immer weiter aus und gründete an seiner Klinik ein Studienzentrum für die klinische Prüfung neuer Medikamente unter anderem für Neurodermitis, Schuppenflechte und andere allergische Erkrankungen.

Fortschrittliche Forschung und Lehre liegt ihm Herzen

„An erster Stelle steht für mich immer die Patientin und der Patient. Umso wichtiger ist mir daher eine professionelle Forschung nach neuesten Standards“, betont Prof. Bieber. Dafür und für den Nachwuchs setzte er sich auch in seiner Zeit als Dekan und Prodekan für Finanzen ein und war bespielsweise an der Planung des Biomedizinischen Zentrums I als reines Forschungsgebäude mit Hörsaal beteiligt. Zusammen mit dem Initiator Prof. Otmar Wiestler baute er das Bonfor-Programm weiter aus. Zudem förderte er die Immunologie am UKB und hat in seiner Amtszeit als Dekan 35 Professoren*Innen mit berufen, darunter den Sprecher des Exzellenzclusters „ImmunoSensation“ der Universität Bonn Prof. Gunther Hartmann.

Ein besonderes Anliegen galt dem langjährigen Klinikdirektor der weltweit einzigartigen Bonner Moulagen-Sammlung. So sorgte er dafür, dass sie nicht entsorgt wurde, sondern 2009 im Keller des neuen Hörsaalgebäudes eine neue Heimat fand. Heute können über 1000 dreidimensionale Wachsobjekte menschlicher Hauterkrankungen dort fachgerecht gelagert und auch zur Lehre genutzt werden. Die Sammlung steht auch für die Öffentlichkeit offen.

„Mein Herzblut lag im Aufbau einer Daten- und Biobank für die Forschung zu Neurodermitis“

Sein wissenschaftliches Augenmerk richtete Prof. Bieber schon früh in seiner Laufbahn auf die sog. Langerhans Zellen, die Wächterzelle des Immunsystems der Haut und deren Rolle bei Neurodermitis: „In der Regel induziert die Wächterzelle Toleranz. Sie kann aber auch zu einer einer allergischen Reaktion der Haut führen“. Seine vielfältigen Publikationen (insgesamt über 630 Publikationen sowie zahlreiche Bücher und Buchbeiträge) zu Neurodermitis und der sog. personalisierten Medizin zeigen die Komplexität und Heterogenität dieser Erkrankung, die bei der Entwicklung von Medikamenten berücksichtigt werden muss. So war 2016 das Patientenregister mit Biobank im Christine Kühne-Zentrums für Allergieforschung und -ausbildung (CK-CARE) der internationalen Kühne-Stiftung (Schweiz) geboren, die heute Daten wie Fragebögen, Hautabstriche und Haut- und Blutproben von über 2.500 Betroffenen sowie Kontrollpersonen enthält, auf deren Basis Forschung u.a. zum Verlauf, Ansprechen auf Medikamente, Biomarkern und Genetik möglich ist. „Es ist eine Goldmine, die es nirgendwo anders in dieser Form gibt“, konstatiert Prof. Bieber, der Initiator dieser modernen Plattform, dessen komplexen Forschungsergebnisse derzeit über künstliche Intelligenz ausgewertet werden war.

Mitglied im „Bonner wissenschaftlichen Kränzchen“ und Alumnus der Uni Bonn

Die Frage der Sicherheit von Medikamenten führte den Dermatologen in einen Exkurs in die Arzneimittelentwicklung. Dazu belegte er berufsbegleitend im Jahr 2010 den Studiengang „Drug Regulatory Affairs“ nachdem er den damaligen Rektor um die Erlaubnis als Lehrstuhlinhaber zur Immatrikulation an der Universität Bonn gebeten hatte. „Es war die tollste Erfahrung als Student und die beste Investition“, sagt Prof. Bieber, der den Preis für die beste Masterarbeit erhielt und heute selbst Dozent in diesem weiterbildenden Studiengang ist. Seine besondere Expertise-Kombination machte aus ihn einem gefragten Berater. Zudem wurde er Anfang der 2000er in das „Bonner wissenschaftliche Kränzchen“ aufgenommen – ein exklusiver Kreis von 14 Bonner Professoren gegründet im November 1877 zum zwanglosen wissenschaftlichen Austausch im privaten Kreis.

Balance zwischen Klinik und Familie

In seiner Bonner Schaffenszeit erfüllte Prof. Bieber zunehmend Manageraufgaben. Als besonders schmerzhaft empfand er die Einführung des DRG-Systems im Jahr 2003, bei dem die laufenden Betriebskosten der Krankenhäuser durch Fallpauschalen vergütet werden. „Da haben die meisten Kliniken Federn lassen müssen, insbesondere die Dermatologie und Allergologie, die in dem DRG-System zunehmend als ambulantes Fach verstanden wird“, sagt Prof. Bieber. „Als Manager sitzt man zwischen den Stühlen und der Spagat ist schwer bei knappen Geldern und Personalknappheit doch noch die Budgetvorgaben der Verwaltung einzuhalten.“ Dabei galt seine Sorge stets den Mitarbeitenden, vor allem in der Pflege. Die größte Herausforderung sieht er derzeit im aktuellen Pflegenotstand: „Für den die Politik scheinbar keine probate Lösung findet.“

„Es war schwer, die Zeit zwischen Familie und Job aufzuteilen“, sagt der Vater von drei Kindern und seit etwa einem Jahr Großvater von einem Enkel. „Meine Familie und ganz besonders meine Frau waren ein wichtiger Hafen in stürmischen Zeiten“. Daher freut sich Prof. Bieber mit seiner Frau sein Domizil bald wieder in Raum München in der Nähe seiner Kinder aufzuschlagen. „Für den notorischen Workaholiker soll der Begriff Work-Life Balance nun für mich eine andere Bedeutung bekommen“, sagt Prof. Bieber. Von München ist es auch nicht weit nach Davos, wo er ab 1. Dezember die wissenschaftliche Leitung der Medizin Programme der internationalen Kühne-Stiftung übernehmen wird. Für seine Familie hatte der ehemalige Leistungsschwimmer das Tauchen aufgegeben, wobei er sich als Tauchlehrer in Frankreich das Studium mitfinanziert hatte. Um sich fit zu halten, wird Prof. Bieber weiterhin täglich 45 Minuten Sport machen, am liebsten Fahrrad fahren – auf dem Ergometer oder draußen an der frischen Luft.

Zur Person:
Prof. Dr. Dr. Prof. h. c. Thomas Bieber, M.D.R.A., 1957 in Sarreguemines in Frankreich geboren, studierte Humanbiologie und Humanmedizin in Straßburg, Frankreich. Sein beruflicher und akademischer Werdegang führte ihn ab 1985 an die Dermatologie der LMU in München. Er war Projektleiter in mehreren SFB und Forschergruppen der DFG und von 1991 bis 1993 als Heisenberg-Stipendiat der DFG in Wien und Straßburg. Seit Mai 1997 ist er Lehrstuhlinhaber und Direktor der Klinik für Dermatologie und Allergologie am Universitätsklinikum Bonn. Von Oktober 2002 bis Mai 2008 war er Dekan und Prodekan der Medizinischen Fakultät in Bonn. 2011 absolvierte Prof. Bieber berufsbegleitend den Master of Drug Regulatory Affairs (M.D.R.A.) an der Universität Bonn. Seit 2014 ist er Projektleiter und Mitglied des wissenschaftlichen Beirates des Christine Kühne-Zentrums für Allergieforschung und -ausbildung (CK-CARE). Im Auftrag von Prof. Dr. h.c. Klaus-Michael Kühne, gründete er 2019 die non-profit Biotech Firma „Davos Biosciences AG“. Er ist Mitglied des Verwaltungsrates der Medizin Campus AG in Davos, die Dachorganisation der Medizin Programme der internationalen Kühne-Stiftung.

Bildmaterial:

Bildunterschrift: Abschied: 26 Jahre Direktor der Klinik für Dermatologie und Allergologie
Am 29. September tritt Prof. Thomas Bieber zum letzten Mal seinen Dienst auf dem Venusberg an.
Bildnachweis: Universitätsklinikum Bonn (UKB) / Katharina Wislsperger

Pressekontakt:

Dr. Inka Väth
stellv. Pressesprecherin am Universitätsklinikum Bonn (UKB)
Stabsstelle Kommunikation und Medien am Universitätsklinikum Bonn
Telefon: (+49) 228 287-10596
E-Mail: inka.vaeth@ukbonn.de

Zum Universitätsklinikum Bonn: Im UKB werden pro Jahr etwa 500.000 Patient*innen betreut, es sind ca. 9.000 Mitarbeiter*innen beschäftigt und die Bilanzsumme beträgt 1,6 Mrd. Euro. Neben den über 3.300 Medizin- und Zahnmedizin-Studierenden werden pro Jahr weitere 585 Personen in zahlreichen Gesundheitsberufen ausgebildet. Das UKB steht im Wissenschafts-Ranking sowie in der Focus-Klinikliste auf Platz 1 unter den Universitätsklinika (UK) in NRW und weist den dritthöchsten Case Mix Index (Fallschweregrad) in Deutschland auf. Das F.A.Z.-Institut hat das UKB 2022 und 2023 als Deutschland begehrtesten Arbeitgeber und Ausbildungs-Champion unter den öffentlichen Krankenhäusern in Deutschland ausgezeichnet.

 

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