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Angst vor Sehverlust ist in Deutschland groß

Augenarzt Prof. Robert Finger äußert sich zur Bewertung von Sehgesundheit in der Allgemeinbevölkerung

Bonn, 25. August 2022 – Fast zehn Millionen Menschen in Deutschland leiden an einer potenziell zu Sehverlust führenden Augenerkrankung wie der altersabhängigen Makuladegeneration (AMD). Laut Prognosen wird die Anzahl mit der Bevölkerungsalterung weiter ansteigen. Um zu verstehen, welche Bedeutung die Menschen in Deutschland einer so weitverbreiteten gesundheitlichen Herausforderung wie der abnehmenden Sehkraft beimessen und welche Faktoren diese Haltung beeinflussen, führte ein Team des Universitätsklinikums Bonn (UKB) unter Leitung von Prof. Dr. Robert Finger zusammen mit der Augenklinik der Universitätsmedizin Mainz eine bevölkerungsrepräsentative Befragung durch.

Wie ist die Wahrnehmung von Sehen und Sehgesundheit in der Allgemeinbevölkerung?

Prof. Finger:
Sehen wird als enorm wichtig wahrgenommen. Wir nehmen 80 Prozent aller Umweltinformationen über die Augen auf. Sehverlust wird als schlimmster Sinnesverlust von 70 Prozent, also einer großen Mehrheit, angesehen. Angst vor Erblindung steigt mit fallendem Haushaltseinkommen, sinkender Schulbildung und bei Menschen, die alleine leben. Dies ist unter anderem durch die bei Sehverlust notwendige Unterstützung zu erklären, die dann nicht oder weniger erbracht werden kann.

Wie sieht die derzeitige Lage bezüglich der Sehgesundheit in Deutschland aus?
Prof. Finger:
Etwa ein Viertel der Befragten berichten von Sehproblemen, unabhängig vom Tragen von Brillen oder Kontaktlinsen. Wir erwarten, dass dies mit der Bevölkerungsalterung weiter zunimmt. Als Augenärzte würden wir uns wünschen, dass Sehen, Sehgesundheit und Prävention von Sehverlust mehr auf der gesundheits- und wissenschaftspolitischen Agenda vertreten wäre. Im Vergleich zu anderen Erkrankungen wie Krebs, schwerer Schlaganfall oder Demenz, die ebenfalls als schwerwiegend von der Mehrheit eingestuft wurden, wird Sehen und Sehgesundheit beziehungsweise -verlust gesundheitspolitisch überhaupt nicht berücksichtigt.

Ihre Motivation die Umfrage zu machen?
Prof. Finger:
Bislang gab es keine Daten in Deutschland dazu, wie in der Allgemeinbevölkerung Sehen und Sehgesundheit beziehungsweise Sehverlust bewertet werden. Daher haben wir die Umfrage gemacht.

Was sind für Sie als Augenarzt die wichtigsten Ergebnisse aus der Umfrage?
Prof. Finger:
Sehen wird als enorm wichtig eingestuft und Sehverlust ist der meistgefürchtete Sinnesverlust, wobei die Angst vor Sehproblemen auch einkommensabhängig sind. Nur Krebs, schwerer Schlaganfall und Demenz werden mehr gefürchtet als Erblindung.

Welche Konsequenzen sollten aus Ihrer Sicht aus der Ergebnissen der Umfrage gezogen werden?
Prof. Finger:
Prävention und -therapie von Sehverlust müssen auf die gesundheits- und wissenschafts-politische Agenda. Anders als für andere wichtige Volkskrankheiten gibt es kaum von den Krankenkassen bezahlte Vorsorgeuntersuchungen und es gibt zum Beispiel kein nationales Forschungsinstitut, anders als bei Krebs mit dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) oder Demenz mit dem Deutschen Zentrum für neurodegenerative Erkrankungen (DZNE).

Publikation:
Fink, David J.; Terheyden, Jan H.; Berger, Moritz; Holz, Frank G.; Pfeiffer, Norbert; Schuster, Alexander K.; Finger, Robert P.: Die Bedeutung von Sehgesundheit – eine bevölkerungsrepräsentative Umfrage; Deutsches Ärzteblatt 2022; DOI: 10.3238/arztebl.m2022.0200 https://www.aerzteblatt.de/archiv/226315/Die-Bedeutung-von-Sehgesundheit-eine-bevoelkerungsrepraesentative-Umfrage

Bildmaterial:

Bildunterschrift: Prof. Dr. Robert Finger, Leitender Oberarzt und stellvertretender Direktor der Augenklinik am UKB | Bildnachweis: © Universitätsklinikum Bonn (UKB)

Wissenschaftlicher Kontakt:
Prof. Robert Finger
Augenklinik des Universitätsklinikums Bonn
Telefon: +49 228 287-11764 oder -19839 (Sekretariat)
nils.kroemer@uni-tuebingen.de
robert.finger@ukbonn.de

Pressekontakt:
Dr. Inka Väth
Medizin-Redakteurin
Stabsstelle Kommunikation und Medien am Universitätsklinikum Bonn
Tel. +49 (0) 228 287 10596
inka.vaeth@ukbonn.de


Zum Universitätsklinikum Bonn: Im UKB werden pro Jahr über 400.000 Patient*innen betreut, es sind 8.300 Mitarbeiter*innen beschäftigt und die Bilanzsumme beträgt 1,3 Mrd. Euro. Neben den über 3.300 Medizin- und Zahnmedizin-Studierenden werden pro Jahr rund 600 junge Menschen in anderen Gesundheitsberufen ausgebildet. Das UKB steht im Wissenschafts-Ranking auf Platz 1 unter den Universitätsklinika (UK) in NRW, weist den dritthöchsten Case Mix Index (Fallschweregrad) in Deutschland auf und hatte 2020 als einziges der 35 deutschen Universitätsklinika einen Leistungszuwachs und die einzige positive Jahresbilanz aller Universitätsklinika in NRW.

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