Prof. Gabor Petzold ist Teil eines von der Leducq Foundation geförderten transatlantischen Konsortiums zur Gehirnclearance-Forschung.
VERFASST VONUKB Newsroom

Forschung zur Entgiftungsfunktion des Gehirns gefördert

Bonner Neurologe ist Teil eines transatlantischen Konsortiums zur Gehirnclearance-Forschung

Bonn, 17. August – Prof. Gabor Petzold vom UKB und DZNE ist Teil eines neuen US-amerikanischen und europäischen Exzellenznetzwerkes, das die Leducq Foundation über fünf Jahre mit insgesamt 8 Millionen US-Dollar fördert. Davon gehen rund 400.000 US-Dollar nach Bonn. Das Konsortium soll die Rolle der so genannten Gehirnclearance bei der zerebralen Amyloid-Angiopathie (CAA) untersuchen. Die Erkrankung ist eine wichtige Ursache für einen durch eine Hirnblutung ausgelösten Schlaganfall sowie ein wichtiger Faktor für bestimmte Demenzformen. Mit der zunehmenden Alterung der Bevölkerung nimmt die CAA zu. Wirksame krankheitsmodifizierende Interventionen gibt es bisher allerdings nicht, so dass man sich durch dieses Exzellenznetzwerk langfristig neuartige Therapieansätze erhofft.

Das Abfallbeseitigungssystem des Gehirns arbeitet bei einem gesunden Menschen automatisch im Schlaf und spült Giftstoffe und Abfallprodukte des Hirnstoffwechsels aus, indem diese Produkte entlang der Blutgefäße aus dem Gehirn heraustransportiert werden. Doch eine Fehlfunktion dieser Gehirnclearance kann zu einer Anreicherung schädlicher Substanzen im Gehirn und einer Fehlfunktion der Nervenzellen führen und somit die Entstehung von neurodegenerativen Erkrankungen begünstigen. So gibt es Hinweise, dass eine fehlerhafte Entsorgung von Abfallprodukten – einschließlich des Eiweißstoffes „Amyloid“ – eine wichtige Rolle bei der Entwicklung einer CAA spielen. „Aber es gibt noch offene Fragen, wie dieser Prozess funktioniert“, sagt Prof. Gabor Petzold, Sektionsleiter Vaskuläre Neurologie am UKB und Arbeitsgruppenleiter am Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE). „Die Entschlüsselung der Mechanismen bei der Gehirnclearance wird das Verständnis von CAA und damit anderer neurodegenerativer Erkrankungen verbessern.“

Hoffnung auf mehr Erkenntnisse zu Gehirnclearance und CAA

Ziel des neuen Exzellenznetzwerkes ist es, in einem translationalen Ansatz Forschungsergebnisse in der Gesundheitsversorgung umzusetzen sowie Möglichkeiten einer Beseitigung von Amyloid-Ablagerungen bei CAA zu untersuchen. Dazu soll ein besseres Verständnis der Gehirnclearance entlang der Blutgefäße sowie der CAA etabliert und experimentelle Erkenntnisse aus Nagetiermodellen auf das menschliche Gehirn übertragen werden. Zudem sollen relevante treibende Kräfte dieser Prozesse identifiziert und in Patientenstudien getestet werden, um das Abfallbeseitigungssystem des Gehirns zu verbessern.

Das Konsortium wird voraussichtlich am 1. Januar 2024 offiziell mit der Arbeit beginnen und umfasst Forschende von Wissenschaftsstandorten in den USA und Europa:

Koordinatoren:
Matthias VAN OSCH, Leiden University Medical Center (Netherlands)
Susanne VAN VELUW, Massachusetts General Hospital (USA)

Mitglieder:
Erik BAKKER, Amsterdam University Medical Center (Netherlands)
Helene BENVENISTE, Yale University (USA)
Roxana CARARE, University of Southampton (UK)
Steven GREENBERG, Massachusetts General Hospital (USA)
Jeffrey ILIFF, University of Washington (USA)
Sylvie LORTHOIS, Institut de Mécanique des Fluides de Toulouse (France)
Gabor PETZOLD, Universitätsklinikum Bonn (UKB) & Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) (Germany)
Andy SHIH, University of Washington (USA)
William VAN NOSTRAND, University of Rhode Island Foundation (USA)

Mehr Informationen zu der Leducq Foundation gibt es unter: https://www.fondationleducq.org/

Bildmaterial:

Prof. Gabor Petzold ist Teil eines von der Leducq Foundation geförderten transatlantischen Konsortiums zur Gehirnclearance-Forschung.

Bildunterschrift:
Prof. Gabor Petzold ist Teil eines von der Leducq Foundation geförderten transatlantischen Konsortiums zur Gehirnclearance-Forschung.
Bildnachweis: Universitätsklinikum Bonn (UKB)

Pressekontakt:
Dr. Inka Väth
stellv. Pressesprecherin am Universitätsklinikum Bonn (UKB)
Stabsstelle Kommunikation und Medien am Universitätsklinikum Bonn
Telefon: (+49) 228 287-10596
E-Mail: inka.vaeth@ukbonn.de

Zum Universitätsklinikum Bonn: Im UKB werden pro Jahr etwa 500.000 Patient*innen betreut, es sind ca. 9.000 Mitarbeiter*innen beschäftigt und die Bilanzsumme beträgt 1,6 Mrd. Euro. Neben den über 3.300 Medizin- und Zahnmedizin-Studierenden werden pro Jahr weitere 585 Personen in zahlreichen Gesundheitsberufen ausgebildet. Das UKB steht im Wissenschafts-Ranking sowie in der Focus-Klinikliste auf Platz 1 unter den Universitätsklinika (UK) in NRW und weist den dritthöchsten Case Mix Index (Fallschweregrad) in Deutschland auf. Das F.A.Z.-Institut hat das UKB 2022 und 2023 als Deutschland begehrtesten Arbeitgeber und Ausbildungs-Champion unter den öffentlichen Krankenhäusern bundesweit ausgezeichnet.

Über das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE): Das DZNE ist ein von Bund und Ländern gefördertes Forschungsinstitut, das bundesweit zehn Standorte umfasst. Es widmet sich Erkrankungen des Gehirns und Nervensystems wie Alzheimer, Parkinson und ALS, die mit Demenz, Bewegungsstörungen und anderen schwerwiegenden Beeinträchtigungen der Gesundheit einhergehen. Bis heute gibt es keine Heilung für diese Erkrankungen, die eine enorme Belastung für unzählige Betroffene, ihre Familien und das Gesundheitssystem bedeuten. Ziel des DZNE ist es, neuartige Strategien der Vorsorge, Diagnose, Versorgung und Behandlung zu entwickeln und in die Praxis zu überführen. Dafür kooperiert das DZNE mit Universitäten, Universitätskliniken und anderen Institutionen im In- und Ausland. Das Institut ist Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft und zählt zu den Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung. www.dzne.de

Skip to content