Mehr als 100 Kliniken bündeln ihr Wissen für Neugeborene nach Sauerstoffmangel
Nach drei Jahren zieht die Uniklinik Bonn Bilanz zum Hypothermieregister und gibt mit einer Reportage Einblicke in die Schicksale betroffener Familien
Bonn, 20. Oktober 2026 – Was vor drei Jahren am Universitätsklinikum Bonn (UKB) begann, ist heute das größte deutsche Netzwerk zur Verbesserung der Versorgung von Neugeborenen mit Sauerstoffmangel unter der Geburt: Unter der Leitung von Prof. Hemmen Sabir, Co-Direktor der Neonatologie und Pädiatrischen Intensivmedizin am UKB, beteiligen sich inzwischen mehr als 100 Kliniken aus ganz Deutschland am bundesweiten Hypothermieregister. Ziel des Registers ist, wissenschaftliche Erkenntnisse und klinische Erfahrungen zu bündeln, die Behandlungsqualität vergleichbar zu machen und allen betroffenen Kindern – unabhängig vom Geburtsort – eine Versorgung nach einheitlichen und evidenzbasierten Standards zu ermöglichen.
Neugeborene mit einer sogenannten hypoxisch-ischämischen Enzephalopathie (HIE) gehören zu den am schwersten erkrankten Patienten der Neonatologie. Nach einem Sauerstoffmangel während oder unmittelbar vor der Geburt entscheidet häufig ein enges Zeitfenster über den weiteren Lebensweg. Die therapeutische Hypothermie – die kontrollierte Kühlung des Körpers auf 33,5 Grad Celsius über einen Zeitraum von 72 Stunden – gilt heute als international anerkannter Behandlungsstandard. Da die Erkrankung vergleichsweise selten auftritt, behandeln viele Kliniken jedoch nur wenige Fälle pro Jahr.
„Gerade weil diese Erkrankung vergleichsweise selten ist, müssen wir unser Wissen bündeln“, sagt Prof. Sabir. „Unser Ziel war von Anfang an, Erfahrungen deutschlandweit zusammenzuführen und daraus eine bessere Versorgung für alle betroffenen Kinder zu entwickeln.“
Ein Register wird zum bundesweiten Qualitätsnetzwerk
Innerhalb von nur drei Jahren hat sich das Hypothermieregister von einer regionalen Initiative zu einem bundesweiten Netzwerk entwickelt. Mehr als 100 Geburtskliniken und Perinatalzentren dokumentieren anonymisiert ihre Behandlungsdaten, tauschen Erfahrungen aus und arbeiten gemeinsam an der kontinuierlichen Verbesserung der Versorgung.
Das Register dient dabei weit mehr als der wissenschaftlichen Datenerfassung: Es unterstützt die beteiligten Kliniken bei komplexen medizinischen Fragestellungen, ermöglicht den direkten fachlichen Austausch und schafft erstmals eine belastbare Grundlage, um Behandlungsqualität deutschlandweit vergleichbar zu machen.
Ein besonderer Meilenstein steht bereits bevor: Derzeit arbeitet das Netzwerk an einer medizinischen Leitlinie, die künftig einheitliche Standards für die therapeutische Hypothermie in Deutschland definieren soll. Die im Register gewonnenen Erkenntnisse können damit unmittelbar in die klinische Versorgung einfließen.
Wissenschaft und Familien gemeinsam gedacht
Für Prof. Sabir endet eine gute Versorgung jedoch nicht an der Tür der Intensivstation. Parallel zum wissenschaftlichen Netzwerk entstand daher gemeinsam mit betroffenen Familien und seinem Team der Bundeselternverband Perinatale Asphyxie und HIE e. V. (www.eltern-asphyxie.de).
Die Initiative begleitet Familien nach der Diagnose, vermittelt verständliche Informationen und schafft Möglichkeiten zum Austausch mit anderen Betroffenen. Damit schließt sie eine Versorgungslücke, die viele Eltern nach einer oftmals traumatischen Geburt erleben.
„Medizinischer Fortschritt bedeutet nicht nur bessere Therapien“, betont Sabir. „Er bedeutet auch, Familien in einer der schwierigsten Situationen ihres Lebens nicht allein zu lassen.“
Blick hinter die Forschung
Welche Bedeutung die therapeutische Hypothermie für betroffene Kinder und ihre Familien haben kann, zeigt eine Reportage des Universitätsklinikums Bonn. Sie erzählt die Geschichten zweier Familien, deren Kinder nach einem Sauerstoffmangel während der Geburt sehr unterschiedliche Lebenswege genommen haben.
Die persönlichen Erfahrungen der Familien machen deutlich, warum Forschung, verbindliche medizinische Standards und ein starkes Netzwerk für die Zukunft betroffener Neugeborener von entscheidender Bedeutung sind.
Zur Reportage: 72 Stunden zwischen Hoffen und Bangen
Bildmaterial:
Bildunterschrift: Prof. Sabir (links) und Dr. Dresbach vom Universitätsklinikum Bonn engagieren sich für die Verbesserung der Versorgung von Neugeborenen mit Sauerstoffmangel. Das am UKB initiierte Hypothermieregister vernetzt inzwischen mehr als 100 Kliniken deutschlandweit.
Bildnachweis: Universitätsklinikum Bonn (UKB) / Alessandro Winkler
Bildmaterial:
Bildunterschrift: Prof. Sabir untersucht ein Neugeborenes mittels Ultraschall. Die frühzeitige Diagnostik und eine spezialisierte Behandlung sind entscheidend für die Versorgung von Kindern, die rund um die Geburt einen Sauerstoffmangel erlitten haben.
Bildnachweis: Universitätsklinikum Bonn (UKB) / Aljoscha Mismas
Bildmaterial:
Bildunterschrift: Die therapeutische Hypothermie ist ein international anerkannter Behandlungsstandard für Neugeborene mit einer hypoxisch-ischämischen Enzephalopathie (HIE). Dabei wird die Körpertemperatur über 72 Stunden kontrolliert auf 33,5 Grad Celsius gesenkt, um das Risiko weiterer Hirnschädigungen zu verringern.
Bildnachweis: privat
Pressekontakt:
Julia Weber
Pressereferentin und Medizinredakteurin
Stabsstelle Public Relations and Corporate Communication am Universitätsklinikum Bonn (UKB)
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E-Mail: julia.weber@ukbonn.de
Zum Universitätsklinikum Bonn: Als eines der leistungsstärksten Universitätsklinika Deutschlands verbindet das UKB Höchstleistungen in Medizin und Forschung mit exzellenter Lehre. Jährlich werden am UKB über eine halbe Million Patienten ambulant und stationär versorgt. Hier studieren rund 3.500 Menschen Medizin und Zahnmedizin, zudem werden jährlich über 600 Personen in Gesundheitsberufen ausgebildet. Mit rund 10.600 Beschäftigten ist das UKB der drittgrößte Arbeitgeber in der Region Bonn/Rhein-Sieg. In der Focus-Klinikliste belegt das UKB Platz 1 unter den Universitätsklinika in NRW und weist im ersten Halbjahr 2026 unter den Universitätsklinika bundesweit den höchsten Case-Mix-Index (Fallschweregrad) auf. 2025 konnte das UKB knapp 100 Mio. € an Drittmitteln für Forschung, Transfer und Lehre einwerben. Das F.A.Z.-Institut zeichnete das UKB das fünfte Jahr in Folge als „Deutschlands Ausbildungs-Champion“ und „Deutschlands begehrtesten Arbeitgeber“ aus. Aktuelle Zahlen finden Sie im Geschäftsbericht unter: geschaeftsbericht.ukbonn.de.









