Zeitumstellung: Warum die Normalzeit besser zu unserer inneren Uhr passt
UKB-Schlafforscher erklärt, wie Tageslicht unseren Schlaf beeinflusst – und warum lange helle Abende eine Kehrseite haben
Bonn, 22. Oktober 2026 – Am 25. Oktober werden die Uhren um eine Stunde zurückgestellt. Eine zusätzliche Stunde Schlaf klingt nach einem Gewinn. Aus schlafmedizinischer Sicht spricht jedoch noch mehr für die Rückkehr zur Normalzeit: Sie bringt unsere gesellschaftliche Uhrzeit wieder näher an den natürlichen Sonnenverlauf. Prof. Michael Sommerauer, Schlafforscher am Universitätsklinikum Bonn (UKB), erklärt, warum das unserem Schlaf zugutekommen kann.
Wann wir müde werden, lässt sich nicht allein an der Uhr ablesen. Unser Körper folgt einem eigenen Rhythmus, der unter anderem Schlaf und Wachheit steuert. Diese innere Uhr läuft von Mensch zu Mensch etwas unterschiedlich und nicht exakt im 24-Stunden-Takt. Deshalb muss sie sich regelmäßig mit der Umwelt abgleichen. „Unsere innere Uhr braucht äußere Zeitgeber, um sich einzustellen. Der wichtigste ist das Licht“, erklärt Prof. Sommerauer.
Was wir umgangssprachlich Winterzeit nennen, ist die mitteleuropäische Normalzeit. Sie orientiert sich stärker am Sonnenverlauf als die um eine Stunde vorverlegte Sommerzeit. Lange richteten sich auch die örtlichen Uhren nach der Sonne. Erst mit der Eisenbahn und der Notwendigkeit verlässlicher Fahrpläne setzte sich eine gemeinsame Uhrzeit durch. Die Sommerzeit wurde später mit dem Ziel eingeführt, das Tageslicht besser zu nutzen und Energie zu sparen.
Abends länger hell – morgens trotzdem früh aufstehen
Viele Menschen schätzen die Sommerzeit wegen der langen hellen Abende. Für den Schlaf können diese jedoch eine Kehrseite haben: Abendlicht kann die innere Uhr nach hinten verschieben, sodass sich der Körper später auf Schlaf einstellt.
„Wenn es abends lange hell ist, bekommt die innere Uhr das Signal, sich weiter nach hinten zu verschieben. Morgens klingelt der Wecker aber trotzdem zur gleichen Zeit. Dadurch kann uns am Ende Schlaf fehlen“, sagt Prof. Sommerauer.
Die Sommerzeit schafft aber kein zusätzliches Tageslicht, denn die Sonne scheint im Sommer sowieso länger als im Winter. Sie verändert vor allem, dass wir abends länger Licht haben. Wird der Körper aber abends später müde, während Arbeits- oder Schulbeginn unverändert bleiben, können biologische und gesellschaftliche Zeit auseinanderlaufen. Aus schlafmedizinischer Sicht zählt deshalb nicht nur, wie lange es hell ist, sondern auch, wann.
Warum die Herbstumstellung häufig leichter fällt
Die Rückkehr zur Normalzeit ist für viele leichter zu bewältigen als der Wechsel im Frühjahr. „Eine Stunde länger schlafen zu dürfen, fällt uns in der Regel leichter, als eine Stunde früher aufstehen zu müssen“, erklärt Prof. Sommerauer.
Allerdings bedeutet die zusätzliche Stunde nicht für alle automatisch mehr Schlaf. Spättypen können sie eher als Entlastung erleben. Wer von Natur aus früh wach wird, wacht möglicherweise weiterhin zur gewohnten biologischen Zeit auf – nach der neuen Uhrzeit also noch früher.
Auch im Herbst muss sich die innere Uhr an die veränderten Alltagszeiten anpassen. Für eine dauerhafte Regelung bevorzugt Prof. Sommerauer aus schlafmedizinischer Sicht die Normalzeit: „Von den Zeitumstellungen zweimal im Jahr profitiert eigentlich keiner. Es wäre besser, wenn wir uns dauerhaft auf eine Zeit einigen würden. Dann spricht aus schlafmedizinischer Sicht alles für die Normalzeit. Sie passt besser zum natürlichen Wechsel von Licht und Dunkelheit.“
Bildmaterial:
Bildunterschrift: Schlafforscher Prof. Michael Sommerauer erklärt, warum die Normalzeit besser zu unserer inneren Uhr passt.
Bildnachweis: Universitätsklinikum Bonn (UKB) / Aljoscha Mismas
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Zum Universitätsklinikum Bonn: Als eines der leistungsstärksten Universitätsklinika Deutschlands verbindet das UKB Höchstleistungen in Medizin und Forschung mit exzellenter Lehre. Jährlich werden am UKB über eine halbe Million Patienten ambulant und stationär versorgt. Hier studieren rund 3.500 Menschen Medizin und Zahnmedizin, zudem werden jährlich über 600 Personen in Gesundheitsberufen ausgebildet. Mit rund 10.600 Beschäftigten ist das UKB der drittgrößte Arbeitgeber in der Region Bonn/Rhein-Sieg. In der Focus-Klinikliste belegt das UKB Platz 1 unter den Universitätsklinika in NRW und weist im ersten Halbjahr 2026 unter den Universitätsklinika bundesweit den höchsten Case-Mix-Index (Fallschweregrad) auf. 2025 konnte das UKB knapp 100 Mio. € an Drittmitteln für Forschung, Transfer und Lehre einwerben. Das F.A.Z.-Institut zeichnete das UKB das fünfte Jahr in Folge als „Deutschlands Ausbildungs-Champion“ und „Deutschlands begehrtesten Arbeitgeber“ aus. Aktuelle Zahlen finden Sie im Geschäftsbericht unter: geschaeftsbericht.ukbonn.de.







