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Schlaganfall kennt keine Altersgrenze

UKB-Experte erklärt Warnzeichen und Risiken bei jüngeren Menschen

Bonn, 27. Oktober 2026 – Mit 35 plötzlich ein Schlaganfall? Damit rechnen die wenigsten. Doch wer Warnzeichen unterschätzt, kann wertvolle Behandlungszeit verlieren. Zum Weltschlaganfalltag am 29. Oktober erklärt Prof. Gabor Petzold, Direktor der Klinik für Vaskuläre Neurologie am Universitätsklinikum Bonn (UKB), worauf auch jüngere Menschen achten sollten. Mit seiner überregional zertifizierten Stroke Unit versorgt das UKB rund um die Uhr auch besonders schwere und komplexe Schlaganfälle. Dafür arbeiten Neurologie, Neuroradiologie und Neurochirurgie eng zusammen.

Warum wird ein Schlaganfall bei jüngeren Menschen nicht immer sofort erkannt?

Prof. Petzold: Viele verbinden einen Schlaganfall mit älteren Menschen. Bei Jüngeren denken deshalb weder die Betroffenen selbst noch ihr Umfeld unbedingt daran. Beschwerden werden mitunter zunächst als Migräne oder Kreislaufproblem eingeordnet. Dabei können auch junge, vermeintlich gesunde Menschen betroffen sein – und benötigen ebenso schnelle Hilfe.

Woran erkennt man einen Schlaganfall?

Prof. Petzold: Die Symptome können sehr unterschiedlich sein: Warnzeichen sind plötzlich auftretende Lähmungen oder Gefühlsstörungen, insbesondere auf einer Körperseite, Sprach- oder Sprechstörungen sowie Sehstörungen. Auch akuter Schwindel mit Gangunsicherheit oder ein plötzlich einsetzender, ungewöhnlich heftiger Kopfschmerz können darauf hinweisen.

Eine Orientierung bietet die FAST-Regel: Hängt ein Mundwinkel herab – „Face“? Kann die Person beide Arme heben und halten oder sinkt ein Arm herab – „Arms“? Ist die Sprache gestört – „Speech“? Dann zählt die Zeit – „Time“: sofort die 112 wählen. Wichtig ist: Selbst wenn die Beschwerden nach wenigen Minuten wieder verschwinden, bleibt es ein Notfall. Die Besserung ist kein Grund zur Entwarnung. Je schneller die Abklärung und gegebenenfalls die Behandlung beginnt, desto größer sind die Chancen, bleibende Schäden zu verhindern.

Nehmen Schlaganfälle bei Jüngeren zu?

Prof. Petzold: Es gibt Hinweise darauf, insbesondere bei Erwachsenen bis etwa 55 Jahre. Die Entwicklung ist allerdings regional unterschiedlich. Eine aktuelle US-Studie zeigt beispielsweise, dass sich die Rate der durch einen Gefäßverschluss verursachten Schlaganfälle bei den 20- bis 54-Jährigen in einigen Regionen zwischen Anfang der 1990er-Jahre und 2020 ungefähr verdoppelt hat. Für Deutschland ist das genaue Ausmaß eines Anstiegs bislang nicht ausreichend gesichert.

Welche Ursachen und Risikofaktoren spielen bei jüngeren Menschen eine Rolle?

Prof. Petzold: Bluthochdruck, Rauchen, Diabetes, Übergewicht und Bewegungsmangel sind auch bei Jüngeren wichtige Risikofaktoren. Zudem können östrogenhaltige Verhütungsmittel, insbesondere in Kombination mit Rauchen, sowie bestimmte Drogen das Risiko erhöhen.

Weitere mögliche Ursachen sind Einrisse der hirnversorgenden Arterien, Gerinnungsstörungen oder ein persistierendes Foramen ovale – eine angeborene Verbindung zwischen den Herzvorhöfen. Auch seltene genetische oder entzündliche Gefäßerkrankungen kommen infrage. Deshalb ist eine gründliche, individuell ausgerichtete Ursachendiagnostik besonders wichtig.

Wie läuft die Behandlung am UKB ab?

Prof. Petzold: Wir klären schnellstmöglich, welche Art von Schlaganfall vorliegt und welche Behandlung infrage kommt. Am UKB stehen dafür rund um die Uhr spezialisierte Diagnostik, Kathetereingriffe, neurochirurgische Verfahren und intensivmedizinische Betreuung zur Verfügung. So können wir auch besonders schwere und komplexe Fälle aus der gesamten Region übernehmen.

Ist ein großes Hirngefäß durch ein Blutgerinnsel verschlossen, kann unser Team der Neuroradiologie das Gerinnsel beispielsweise mithilfe eines Katheters entfernen. Auf unserer zertifizierten Schlaganfallstation, der Stroke Unit, werden die Patientinnen und Patienten engmaschig überwacht und weiterbehandelt. Zugleich suchen wir nach der Ursache, um weiteren Schlaganfällen vorzubeugen. Fachkräfte aus Physio-, Ergo- und Logopädie unterstützen frühzeitig die Rehabilitation.

Was kann man selbst tun, um das Risiko zu senken?

Prof. Petzold: Regelmäßige Bewegung, eine gesunde Ernährung und Rauchverzicht können das Risiko deutlich senken. Ebenso wichtig ist es, Bluthochdruck, Diabetes und erhöhte Cholesterinwerte frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Und unabhängig vom Alter gilt: Warnzeichen ernst nehmen – auch wenn man sich bisher immer gesund gefühlt hat.

Bildmaterial:

Bildunterschrift: Bei einem Schlaganfall zählt jede Minute: Im Schockraum arbeiten spezialisierte Teams des UKB eng zusammen, um Patientinnen und Patienten schnellstmöglich zu versorgen.

Bildnachweis: Universitätsklinikum Bonn (UKB) / Aljoscha Mismas

Bildunterschrift: Zum Weltschlaganfalltag am 29. Oktober erklärt Prof. Gabor Petzold, Direktor der Klinik für Vaskuläre Neurologie am Universitätsklinikum Bonn (UKB), worauf auch jüngere Menschen achten sollten.

Bildnachweis: Universitätsklinikum Bonn (UKB) / Rolf Müller

Pressekontakt:
Felix Heyder
Pressesprecher am Universitätsklinikum Bonn (UKB)
Leiter Stabsstelle Public Relations & Corporate Communication
Telefon: (+49) 228 287-11904
E-Mail: felix.heyder@ukbonn.de

Zum Universitätsklinikum Bonn: Als eines der leistungsstärksten Universitätsklinika Deutschlands verbindet das UKB Höchstleistungen in Medizin und Forschung mit exzellenter Lehre. Jährlich erfolgen am UKB über eine halbe Million ambulante und stationäre Behandlungen. Hier studieren rund 3.500 Menschen Medizin und Zahnmedizin, zudem werden jährlich über 600 Personen in Gesundheitsberufen ausgebildet. Mit rund 10.600 Beschäftigten ist das UKB der drittgrößte Arbeitgeber in der Region Bonn/Rhein-Sieg. In der Focus-Klinikliste belegt das UKB Platz 1 unter den Universitätsklinika in NRW und weist im ersten Halbjahr 2026 unter den Universitätsklinika bundesweit den höchsten Case-Mix-Index (Fallschweregrad) auf. 2025 konnte das UKB knapp 100 Mio. € an Drittmitteln für Forschung, Transfer und Lehre einwerben. Das F.A.Z.-Institut zeichnete das UKB das fünfte Jahr in Folge als „Deutschlands Ausbildungs-Champion“ und „Deutschlands begehrtesten Arbeitgeber“ aus. Aktuelle Zahlen finden Sie im Geschäftsbericht unter: geschaeftsbericht.ukbonn.de

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