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Wenn Zahnfleischbluten zum Warnsignal wird

Parodontitis früh erkennen und Zähne erhalten

Bonn, 24. September 2026 – Rund 14 Millionen Menschen in Deutschland leiden an einer fortgeschrittenen, behandlungsbedürftigen Parodontitis. Weil die chronische Entzündung lange kaum Beschwerden verursacht, wird sie häufig erst spät erkannt. Für Prävention, Behandlung und dauerhafte Nachsorge braucht es deshalb spezialisierte Fachkräfte. Das Universitätsklinikum Bonn (UKB) qualifiziert gemeinsam mit der Zahnärztekammer Nordrhein Dentalhygienikerinnen und Dentalhygieniker für diese Aufgaben.

Ein wenig Blut beim Zähneputzen, gelegentlich gerötetes Zahnfleisch oder Mundgeruch: Was viele für harmlos halten, kann ein frühes Zeichen einer Parodontitis sein. Die chronische Entzündung entwickelt sich meist schleichend und zunächst ohne Schmerzen. Unterhalb des Zahnfleischrandes kann sie jedoch über Jahre den Zahnhalteapparat zerstören. Im fortgeschrittenen Stadium werden Zähne locker, verändern ihre Stellung oder gehen verloren. Belegt sind negative Auswirkungen der Parodontitis auf die Allgemeingesundheit, insbesondere auf Diabetes mellitus und auf die kardiovaskuläre Gesundheit.

Nach der aktuellen Deutschen Mundgesundheitsstudie (DMS 6) leiden in Deutschland rund 14 Millionen Menschen an einer fortgeschrittenen, behandlungsbedürftigen Parodontitis. „In der Altersgruppe der 35- bis 44-Jährigen ist bereits jeder Fünfte betroffen, bei den 65- bis 74-Jährigen mehr als die Hälfte“, sagt Søren Jepsen, Seniorprofessor an der Poliklinik für Zahnerhaltung und Parodontologie am UKB. „Wir haben in Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten riesige Fortschritte bei der Kariesprävention gemacht. Die Volkskrankheit Parodontitis haben wir dagegen noch nicht im Griff.“

Eine Entzündung, die lange unbemerkt bleibt

Gerade ihr zunächst unauffälliger Verlauf macht die Parodontitis so gefährlich. „Zahnfleischbluten beim Zähneputzen ist eines der ersten Symptome, wird aber fälschlicherweise oft als normal und harmlos angesehen“, erklärt Prof. Pia-Merete Jervøe-Storm von der Poliklinik für Zahnerhaltung und Parodontologie am UKB. Auch anhaltender Mundgeruch sowie gerötetes oder geschwollenes Zahnfleisch können Warnzeichen sein.

Wiederkehrendes Zahnfleischbluten sollte deshalb zahnärztlich abgeklärt werden – auch wenn nichts wehtut. Denn nur in der Zahnarztpraxis lässt sich feststellen, ob eine Parodontitis vorliegt. Je früher die Erkrankung erkannt wird, desto besser kann die Entzündung behandelt und eine bleibende Schädigung des Zahnhalteapparates verhindert werden.

Einen wichtigen Teil der Prävention haben Patientinnen und Patienten selbst in der Hand: durch gründliches Zähneputzen und die tägliche Reinigung der Zahnzwischenräume mit Interdentalbürsten oder Zahnseide. Hinzu kommen regelmäßige zahnärztliche Kontrollen und individuell abgestimmte professionelle Prophylaxemaßnahmen. Auch beeinflussbare Risikofaktoren spielen eine Rolle: Rauchen erhöht das Erkrankungsrisiko, ebenso ein schlecht eingestellter Diabetes.

Doch die häusliche Mundhygiene stößt dort an ihre Grenzen, wo sich durch die Erkrankung bereits vertiefte Zahnfleischtaschen gebildet haben. Der entzündungsauslösende bakterielle Biofilm sitzt dann unterhalb des Zahnfleischrandes und ist mit Zahnbürste oder Interdentalbürste nicht ausreichend erreichbar. Er muss im Rahmen einer professionellen Behandlung durch geschultes Fachpersonal entfernt werden.

Warum Parodontitis dauerhafte Betreuung braucht

Hier kommen Dentalhygienikerinnen und Dentalhygieniker ins Spiel. Als speziell fortgebildete Mitglieder des zahnärztlichen Teams übernehmen sie unter zahnärztlicher Aufsicht und Verantwortung wichtige Aufgaben in der Prävention, Behandlung und Nachsorge. Sie erheben parodontale Befunde, entfernen bakterielle Beläge ober- und unterhalb des Zahnfleischrandes und zeigen Patientinnen und Patienten, wie sie ihre Mundhygiene gezielt verbessern können.

Ihre Arbeit geht damit deutlich über eine klassische professionelle Zahnreinigung hinaus. Vor allem begleiten sie Menschen nach einer Parodontitistherapie langfristig weiter. Denn die Erkrankung ist chronisch: Eine Behandlung kann die Entzündung kontrollieren und den Zustand stabilisieren, die Neigung zur erneuten Erkrankung bleibt jedoch bestehen. „Um Rückfälle früh zu erkennen und weitere Schäden zu verhindern, ist eine regelmäßige, an das persönliche Risiko angepasste Nachsorge notwendig“, erläutert Jervøe-Storm.

„Wir sehen nicht einfach nur die Zähne, sondern den Menschen als Ganzes“, sagt Jessica Bönsch, Dentalhygienikerin am UKB. „Wir erklären Zusammenhänge, schauen auf individuelle Risiken und zeigen ganz konkret, was jemand zu Hause verbessern kann. Gerade bei einer chronischen Erkrankung ist diese kontinuierliche Begleitung entscheidend.“

Bei jedem Termin wird deshalb auch geprüft, ob sich der allgemeine Gesundheitszustand oder die Medikation verändert haben. Zudem achten Dentalhygienikerinnen und Dentalhygieniker auf Auffälligkeiten der gesamten Mundhöhle und der Mundschleimhaut. Stellen sie Veränderungen fest, geben sie diese zur weiteren Abklärung an die behandelnden Zahnärztinnen und Zahnärzte weiter.

„Eine Dentalhygienikerin ist für die Zahnärztin oder den Zahnarzt ein Stück weit wie eine Co-Pilotin“, sagt Bönsch. „Durch ihre Spezialisierung kann sie Patientinnen und Patienten kontinuierlich begleiten und Veränderungen frühzeitig wahrnehmen.“

168 Fachkräfte erfolgreich fortgebildet

Um mehr Fachkräfte für diese anspruchsvollen Aufgaben zu qualifizieren, kooperiert das UKB seit zehn Jahren mit der Zahnärztekammer Nordrhein. Bislang haben 168 Dentalhygienikerinnen und Dentalhygieniker die gemeinsame Fortbildung erfolgreich abgeschlossen.

„Die Volkskrankheit Parodontitis ist eine Herausforderung, der wir ohne hochqualifizierte Fachkräfte nicht adäquat begegnen können. Seit 2021 gibt es auch in der gesetzlichen Krankenversicherung eine dem Stand der Wissenschaft entsprechende PAR-Behandlungsstrecke. Die Zahl der durchgeführten PAR-Behandlungen ist seitdem deutlich gestiegen. Der Bedarf an weiteren qualifizierten Mitarbeitenden ist deswegen unverändert hoch. Wir werden daher gemeinsam mit dem UKB alles daransetzen, auch künftig weitere Dentalhygienikerinnen und Dentalhygieniker auszubilden“, sagt Dr. Hans Jürgen Weller, Mitglied des Vorstandes der Zahnärztekammer Nordrhein.

Am UKB absolvieren die Teilnehmenden die beiden letzten Bausteine ihrer beruflichen Aufstiegsfortbildung von der Zahnmedizinischen Fachangestellten zur Dentalhygienikerin. Sie vertiefen ihr Wissen über den Aufbau des Zahnhalteapparates, die Entstehung und Klassifikation parodontaler Erkrankungen und aktuelle wissenschaftliche Leitlinien. Zudem trainieren sie die parodontale Befunderhebung, Verfahren der nicht-chirurgischen Therapie sowie die individuelle Anleitung und Motivation von Patientinnen und Patienten. Nach erfolgreichem Abschluss können sie diese Aufgaben in der Praxis selbstständig unter zahnärztlicher Aufsicht und Verantwortung übernehmen.

Die Fortbildung greift auch neue Herausforderungen auf. Dazu gehören die Prävention und Betreuung von Entzündungen rund um Zahnimplantate, die unbehandelt zum Verlust eines Implantats führen können. Weitere Schwerpunkte sind die ungünstigen Wechselwirkungen zwischen Parodontitis und Diabetes, die positiven Effekten der Parodontaltherapie auf die Blutzuckerkontrolle, Auswirkungen auf die Herz-Kreislauf-Gesundheit sowie die wachsende Bedeutung der Alterszahnmedizin.

„Als wir vor vielen Jahren mit der Fortbildung von Dentalhygienikerinnen und Dentalhygienikern begannen, war dieses Berufsbild in Deutschland noch weitgehend unbekannt“, erläutert Jepsen. „Heute wissen wir, wie wichtig diese Fachkräfte für eine moderne, präventionsorientierte Zahnmedizin sind. Angesichts der enormen Zahl von Menschen mit Parodontitis brauchen wir künftig noch deutlich mehr gut ausgebildete Dentalhygienikerinnen und Dentalhygieniker.“ 

Bildmaterial

Bildunterschrift: Dentalhygienikerinnen und Dentalhygieniker sind für eine moderne, präventionsorientierte Zahnmedizin enorm wichtig. Der Bedarf an weiteren qualifizierten Mitarbeitenden ist unverändert hoch.

Bildnachweis: Universitätsklinikum Bonn (UKB) / N. Kischnick 

Pressekontakt:
Daria Siverina
Stellvertretende Pressesprecherin am Universitätsklinikum Bonn (UKB)
Stabsstelle Public Relations and Corporate Communication
Telefon: (+49) 228 287-14416
E-Mail: daria.siverina@ukbonn.de

Zum Universitätsklinikum Bonn: Als eines der leistungsstärksten Universitätsklinika Deutschlands verbindet das UKB Höchstleistungen in Medizin und Forschung mit exzellenter Lehre. Jährlich werden am UKB über eine halbe Million Patienten ambulant und stationär versorgt. Hier studieren rund 3.500 Menschen Medizin und Zahnmedizin, zudem werden jährlich über 600 Personen in Gesundheitsberufen ausgebildet. Mit rund 9.900 Beschäftigten ist das UKB der drittgrößte Arbeitgeber in der Region Bonn/Rhein-Sieg. In der Focus-Klinikliste belegt das UKB Platz 1 unter den Universitätsklinika in NRW und weist unter den Universitätsklinika bundesweit den zweithöchsten Case-Mix-Index (Fallschweregrad) auf. 2025 konnte das UKB knapp 100 Mio. € an Drittmitteln für Forschung, Transfer und Lehre einwerben. Das F.A.Z.-Institut zeichnete das UKB im vierten Jahr in Folge als „Deutschlands Ausbildungs-Champion“ und „Deutschlands begehrtesten Arbeitgeber“ aus. Aktuelle Zahlen finden Sie im Geschäftsbericht unter: geschaeftsbericht.ukbonn.de

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